365 Tage im Jahr, 365 mal Sonnenaufgang, 365 mal Sonnenuntergang, 365 mal Mondaufgang und 365 mal Monduntergang. Eine ganze Menge! Multipliziert mit den gottgegebenen Lebensjahren; jeden Tag ein neues Abenteuer, jeden Tag neue Chancen zu ergreifen, jeden Tag intensiv zu leben. 365 Tage nach seinen Vorstellungen zu gestalten. 365 Tage im Jahr, Zeit um das Leben zu begreifen. 365 Tage, manchmal mehr, manchmal weniger, genügend Zeit um zu wachsen. Jederzeit nicht nur an messbarer Körpergröße, messbar an innerer Stärke, am Rückgrat, am Geleisteten, am Schaffungsgrad, schlichtweg an der Lebenseinstellung, der inneren Haltung, an der Ausstrahlung. Das Ganze in Minuten oder gar in Sekunden auszudrücken würde schier unendlich sein. Allein die Vorstellung an eine unbekannte Größe motiviert jeden Tag mit einem herzlichen „Guten Morgen“ zu beginnen. Mit Schwung in die Tretmühle sich zu begeben, wohlwissend, dass die Zeitmessung oder auch die Zeitbegrenzung, endend ist. Die Tretmühle, in die man sich selber freiwillig begeben hat, mit dem Wissen ein Schnäppchenjäger zu sein. Schließlich kann ich über mich selber bestimmen. Einfach loslassen und in eine andere Richtung gehen. Ohne Belastungen, ohne Sicherheiten. Nur mit der puren Lust am Abenteuer. Soviel gibt es zu entdecken, an 365 Tagen im Jahr, das mit kindlicher Naivität ein Lächeln über mein Gesicht huscht. Mit diesem Bewusstsein begebe ich mich an 365 Tagen im Jahr auf Reisen und begegne vielen Menschen, die das gleiche Privileg genießen. Aufgeregt über das Mögliche was an 365 Tagen alles passieren kann, schaue ich in die Gesichter der glücklich Auserwählten und entdecke nicht das was ich erwarte. Die Augen sind trüb, das Gesicht fahl, die Mundwinkel mit scheinbar Tonnengewichten heruntergezogen. Grau in Grau. Nachdenklich in sich versunken. Der Stolz 365 Tage und naja, das hatten wir schon, gebrochen. Geschunden, windend, winseln am Boden liegen. Erdrückt von einer nicht messbaren und einer nicht sichtbaren Last. Mitleid, unendliche Traurigkeit erfasst mich an 365 Tagen im Jahr für Unendlichkeit. Doch dann auch Bereitschaft die mich umgibt zu helfen. Aufmunternde Worte, zuhören und das eigene Glück bereit zu teilen. Oft und viel zu häufig die Erkenntnis, dass dieser Acker bereits bestellt und unfruchtbar ist. Resignierend nehme ich an 365 Tagen im Jahr in Kauf seelischen Krüppel zu begegnen. Ausschau zu halten nach Regenbogenfarben und traurigen aber nicht verkrüppelten Seelen mit Energie zu versorgen. Wohlwissend, das die eigene Energie schwindend ist und an 365 Tage im Jahr gepflegt und gehegt werden muss. 365 Tage im Jahr mit fast scheinbarer Unendlichkeit scheint mir lang genug um eben dieses zu tun. Daher ein herzliches Guten Morgen ihr da draußen. Wer kommt mit?