…höre ich von überall her. Ebenso wie „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Was wollen diese „schlagkräftigen“ Aussagen mir suggerieren? Vielleicht oder sogar ganz bestimmt: „Geb auf Dich acht. Nimm Dir Zeit für Dich. Nimm Dir Zeit für Deine Familie.“

Gut, das mache ich doch gerne!

Ich bin Mutter von zwei Kindern. Mein Arbeitsplatz liegt gute 50 Kilometer von unserem Zuhause entfernt. Jeden Tag reise ich drei Stunden. Trotz reduzierter Arbeitsstunden, 26 Wochenstunden, bin ich 41 Stunden außer Haus. Mein Mann bringt unsere Kinder zum Kindergarten und holt sie dort auch wieder ab. Ich beginne meinen Arbeitstag um 7:45 Uhr mit der Anreise. Wenn der öffentliche Nahverkehr pünktlich ist, dann bin ich um 9:05 Uhr auf der Arbeit und gegen 15:20 Uhr zuhause. Meine Schwiegereltern kümmern sich von 12:40 Uhr bis zu meiner Ankunft um die Kinder, um unsere Tiere und unser Haus. Dann beginnt die Spielzeit mit unserem 6-Jährigen Sohn und unserer 4-Jährigen Tochter. Meist haben wir Spielbesuch. Meine Kinder habe ich eigentlich erst in den Abendstunden nur für mich.
Um all die Sorgen und Nöten der Kinder aufzufangen ist diese Zeit viel zu kurz.

Uns geht es gut!

Doch von Work-Life-Balance“ und von „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bin ich weit entfernt. Mein Arbeitgeber bietet zwar Homeoffice an, doch für die Abteilung, für die ich arbeite, ist dies unerwünscht. Und somit reise ich. Was für eine „Dreifach-Belastung“! Mit Kindern habe ich nicht mehr richtig Feierabend oder Zeit für mich-zumindestens nicht in den ersten 12 Lebensjahren der Kinder. Für mich sind die Anforderungen, die die Arbeitswelt an mich stellt, gleichklingend wie „Hohn und Spott“.

Jeden Tag verliere ich meine Familie, meine Kinder, um das Geld zu verdienen, was unseren „Lifestyle“ finanziert. Lebenszeit und ein erfülltes Leben sind da aber noch nicht gewonnen.

Was meint „Work-Life-Balance“ wirklich? Gibt es die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“? Sind diese Aussagen mehr wie inhaltslose Phrasen? Wer füllt diese Sätze mit Leben? Der Arbeitgeber? Der Arbeitnehmer? Beide?

Es gehört mehr dazu, wie diese Sätze in den Raum zu stellen. Die individuelle Machbarkeitsprüfung wäre ein Ansatz, um es ernst mit dieser Anforderung zu meinen. Und sicherlich auch, dass jeder die gleichen Rechte hat, unabhängig von der Postion im Unternehmen und der Stellung in der Gesellschaft.